Brauchen wir so viele Pillen?

Von den Anbietern von Nahrungsergänzungsmitteln wird vermittelt, dass wir alle mit Vitaminen und Mineralien unterversorgt sind, doch ist das wirklich so?

Unterversorgung mit Vitaminen?

Nahrungsergänzungspräparate sind in jedem Drogeriemarkt, in der Apotheke oder auch im Internet zu haben und schnell eingenommen. Durch die Werbung wird uns eine dramatische Unterversorgung mit Vitaminen suggeriert. Geht man der Sache aber auf den Grund so stellt sich schnell heraus, dass diejenigen, die sich Nahrungsergänzung leisten, oft auch die sind, die es gar nicht nötig hätten, weil sie sich sowieso gut ernähren. Eine Überversorgung kann aber auch schädlich sein.

Zu viele Vitamine und Mineralien

In der Nationalen Verzehrstudie II haben Wissenschaftler des Max-Rubner-Instituts geprüft, welche Nahrungsergänzungsmittel in Deutschland verwendet werden und welche Nährstoffmengen dabei zusammenkommen. Berücksichtigt wurden dabei Nahrungsergänzungsmittel und Medikamente, denen Vitamine oder Mineralstoffe zugesetzt sind, wie z.B. Schmerzmittel mit Vitamin C. Nahrungsergänzungsmittel und angereicherte Medikamente nennen sich Supplemente. Die Teilnehmer der Untersuchung schrieben an 2 Tagen alles auf, was sie in den letzten 24 Stunden an Lebensmitteln und Supplementen zu sich genommen hatten. Laut Studie griff fast ein Viertel der Teilnehmer zu Supplementen. Diejenigen, die sich bewusst ernähren und Supplemente anwenden, kommen dabei schnell über die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) empfohlenen Mengen. Am häufigsten werden Vitamin C und E sowie die Mineralstoffe Magnesium und Calcium eingenommen. Mit den Supplementen werden bei Vitamin C und E, bei Niacin und Folsäure 50 bis 100 Prozent des, von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zusammen mit den entsprechenden Fachverbänden in der Schweiz und in Österreich, herausgegebenen Referenzwertes erreicht. Bei den Vitaminen B1, B2 und B6 geht es sogar darüber hinaus. Mit den zu sich genommenen Lebensmitteln kommen die Supplement-Anwender bei Vitamin B1, B2, B6 und C sowie B12 auf das Doppelte des Referenzwertes, bei Niacin auf das Dreifache. Die für den Körper verträgliche Tageshöchstmenge wird von jedem Sechsten besonders bei Magnesium und Vitamin A überschritten.

Insgesamt greifen mehr Frauen als Männer zu Nahrungsergänzung: 30 Prozent der weiblichen Bevölkerung tun sich damit vermeintlich etwas Gutes, bei den Männern 19 Prozent.

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